Abgeschminkt – Ilka Bessin

Abgeschminkt – Ilka Bessin

Out of Marzahn – das wahre Leben von Ilka Bessin

Pinkfarbener Jogginganzug, eine Blume in der blonden Perücke, dicke Schminke, Berliner Schnauze – und langzeitarbeitslos. Das war „Cindy aus Marzahn“, die ab 2005 eine steile Karriere hinlegte. Im Laufe der Jahre wurde ihrer Erschafferin die Rolle jedoch zu eng; sie wollte viel mehr als „Cindy aus Marzahn“ konnte. 2016 war deshalb Schluss, die Kunstfigur ist weg und hat Platz für ihre Erfinderin gemacht: Ilka Bessin. Hier erzählt sie erstmals aus ihrem Leben: von ihrer ergreifenden Kindheit über die Arbeitslosigkeit bis hin zu ihrer Zeit als gefeierter Bühnenstar. Ihre bewegende Geschichte ist die einer Ausnahme-Künstlerin. Ein Buch, das einen berührt, immer wieder zum Lachen bringt und gerade deshalb Mut macht! (Quelle: Amazon.de)

Rezension: 

Abgeschminkt ist die Biografie von Cindy, vor allem aber erzählt das Buch den bisherigen Lebensweg von Ilka Bessin. Sehr ausführlich beschreibt sie ihre Kindheit in der DDR, als Tochter eines LKW-Fahrers und einer Näherin: Das Leben im Plattenbau, die Hänseleien durch andere Kinder und wie all diese Dinge sie geprägt haben. Wir erfahren von ihren beruflichen Höhen und Tiefen in der Gastronomie, plötzlicher Arbeitslosigkeit und dem schwarzen Loch, in das die Autorin in dieser Zeit gefallen ist – ein Loch, aus dem schließlich Cindy aus Marzahn geboren wurde. Glückliche Zufälle, schwere Rückschläge und der Wunsch, es allen zu zeigen, haben eine Comedy-Figur erzeugt, die von den einen geliebt und von den anderen verachtet wurde. In Abgeschminkt erzählt Ilka Bessin, unter dem passenden Untertitel „Das Leben ist schön – von einfach war nie die Rede“, von Menschen und Weggefährten, die ihr alles andere als gut getan haben. Zugleich öffnet sie auch viel von sich selbst, wie zum Beispiel den zahlreichen Fehlern, die sie begangen hat. Und rechnet so mit ihrer eigenen Divenhaftigkeit ab, die mit dem Aufkommen von Cindy einher ging. Vor allem aber geht es in Abgeschminkt um Liebe: der Sehnsucht nach selbiger, die oft unerfüllt blieb. Der zeitweiligen Liebe zu Freunden und Partnern. Und der tiefen Liebe zu den eigenen Eltern.

Abgeschminkt ist ein sehr ehrliches und direktes Buch, welches schonungslos widerspiegelt, welche Täler Ilka Bessin durchkämpfen musste, sowohl selbst verschuldete, als auch von außen aufgezwungene. Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dass sie zwar austeilt, besonders aber in Sachen Selbstkritik Größe zeigt. Ihre Geschichte ist oftmals bedrückend und traurig, ganz anders, als man es bei der lustigen Cindy aus Marzahn vermutet hätte. Doch auch viele schöne Momente und tolle Erlebnisse haben Ilka beflügelt, die nach dem Abschied von Cindy aus Marzahn längst die nächsten Schritte gegangen ist und weitere Aufgaben im Leben in Angriff nimmt.

„Es kann im Leben nicht immer nur bergauf gehen, hin und wieder geht’s abwärts – und das ist auch gut so. Ich will Mut machen mit meiner eigenen Geschichte. Zeigen, dass man nach Niederlagen immer wieder aufstehen kann. Nur wer aufgibt, hat verloren. Mann kann Irrwege wieder verlassen und auf den rechten Pfad zurückfinden. Ich habe das alles ja selbst erlebt.“

Fazit:

Ilka Bessin mit „Abgeschminkt“ ist ein absolut lesenswertes Buch gelungen, welches vieles erklärt und zugleich so manche Frage bezüglich des menschlichen Verhaltens, der Gesellschaft und der Zwischenmenschlichkeit aufwirft.

Ich habe viel gelacht, einige Tränchen verdrückt und mich auch in einigen Lebensabschnitten wiedergefunden.

5/5*

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  • Broschiert: 288 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (26. November 2018)
  • ISBN-13: 978-3453207165

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